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Bochum lebenswerter gestalten: das Stadtmarketing

Gesellschaft
Verwaltung

Stadt-Gespräche - Folge 35

In den Stadt-Gesprächen reden wir, vom städtischen Start-up ShiftDigital, mit Mitarbeiter:innen aus der Verwaltung über Digitalisierung, E-Government und New Work. In dieser Folge berichtet Charlotte Kreckel von der Bochum Marketing GmbH von der Arbeit im Stadtmarketing und deren Zielen.

Nina da Costa: Herzlich Willkommen Charlotte! Stell dich doch erstmal vor.

Charlotte Kreckel: Mein Name ist Charlotte Kreckel, ich bin seit dreieinhalb Jahren bei Bochum Marketing in der Abteilung Stadtmarketing tätig und habe vorher Raumplanung an der TU Dortmund studiert. Das ist nicht mit Innenarchitektur zu verwechseln, sondern im Prinzip ist es Stadtplanung: es geht um alle räumlichen Entwicklungen, die man sich so vorstellen kann. Man lernt eigentlich alles von Verkehrsplanung über Wohnungspolitik, Umwelt und Raumordnung bis hin zu Verwaltungsrecht.

Nina: Dann bist du ja näher an der Verwaltung, als man vielleicht denkt.

Charlotte: Genau, und da Bochum Marketing halbstädtisch ist, sind wir recht nah an die Verwaltung angedockt. Die Gesellschaftsanteile gehören zu 50% der Stadt Bochum und zu 50% Wirtschaftspartnern.

Nina: Wo landet man normalerweise mit einem Studium in Raumplanung?

Charlotte: Ich glaube, ein Großteil geht klassisch in die Stadtverwaltung oder arbeitet in Planungsbüros. Stadtmarketing ist also nicht der typische Weg für jemanden, der das studiert hat. Aber dadurch, dass wir uns auch mit Wegen in der Verwaltung sehr gut auskennen und Wissen im Bereich Stadtentwicklung haben, ist das eine gute Kombination.

Nina: Warst du schon mal als Stadtplanerin tätig, bevor du bei Bochum Marketing gelandet bist?

Charlotte: Ich habe während meines Studiums fast vier Jahre in einem Planungsbüro gearbeitet, das Einzelhandelsgutachten erstellt hat. Dann habe mich für Stellen im Ruhrgebiet interessiert und bin auf das Stadtmarketing gestoßen. Dort ist die Stärkung von Stadtteilzentren und dem Einzelhandel eine wichtige Aufgabe, was für mich nahe lag, da ich einen passenden Hintergrund mitbringe, um den Job zu erfüllen.

Nina: Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Charlotte: Das ist ganz viel netzwerken, deswegen klingelt häufig mein Telefon und ich bin in vielen Terminen. Ich habe mir in den letzten Jahren ein Netzwerk von Partner:innen aus den Stadtteilen aufgebaut. Das sind häufig Stadtteilvereine oder Werbegemeinschaften, die in der Projektplanung sind, etwas organisieren möchten oder Ideen haben und Hilfe brauchen, um das umzusetzen. Ansonsten ist es unsere Aufgabe zu schauen, was wir in Stadtteilzentren verbessern können und nach Möglichkeiten dafür zu suchen. Es kann dabei auch um ein konkretes Projekt gehen, wir haben zum Beispiel Einkaufsführer erstellt oder Veranstaltungen mitorganisiert.

Nina: Gehört Bochum Total dazu?

Charlotte: Nein. Bochum Marketing setzt sich ja aus mehreren Geschäftsfeldern zusammen — Tourismus, Stadtmarketing, Kommunikation und Veranstaltungsmanagement. Beim Veranstaltungsmanagement geht es um einige Großveranstaltungen, die hier in Bochum organisiert werden, wie Kirmessen, der Weihnachtsmarkt oder der Bochumer Musiksommer. Aber Bochum Total gehört nicht dazu.

Nina: Aber die Dinosaurier in der Innenstadt waren wahrscheinlich von euch, oder?

Charlotte: Genau, das war eine Aktion aus unserer Abteilung Stadtmarketing, die mit anderen Abteilungen zusammen entworfen und umgesetzt wurde. Das war dann die “Dino City” letztes Jahr, die ja auf sehr viel Begeisterung gestoßen ist. Ohne die Unterstützung und das Engagement vieler Bochumer Einzelhändler und Institutionen wäre diese Aktion aber nicht möglich gewesen.

Nina: Ich weiß nicht, ob das alle mitbekommen haben — Bochumer:innen bestimmt, weil es sehr schwer zu übersehen war (lacht). Es waren eine ganze Menge lebensgroßer Dinosaurierstatuen…

Charlotte: …die über die Innenstadt verteilt und an sehr öffentlichkeitswirksamen Stellen platziert waren, wie zum Beispiel vor dem Planetarium, im Bermudadreieck — ich glaube, der ist sehr vielen aufgefallen, weil er mit seinen 20 Metern Länge und fünfeinhalb Metern Höhe auch sehr groß war…

Nina (lacht): Ja, es war unmöglich, den nicht zu bemerken.

Charlotte: Und das war wirklich sehr schön, weil wir in den Wochen beobachten konnten, dass viel mehr Familien in die Innenstadt gekommen sind. Es gab auch ein Quiz, für das man an den einzelnen Dinosauriern Buchstaben bekommen hat, die dann ein Lösungswort ergeben haben. Da haben super viele mitgemacht und dadurch die Innenstadt erkundet. Das Feedback war sehr gut; nicht nur von den Leuten, die mitgemacht haben, sondern auch von den Akteur:innen in der Innenstadt. Man hat gemerkt, dass diese belebter ist. Und besonders war, dass es eine kostenlose Aktion war; man konnte einfach teilnehmen. Im öffentlichen Raum hat man sowas nicht so häufig.

Nina: Was reizt dich daran, im Stadtmarketing zu arbeiten?

Charlotte: Für mich ist es vor allem die Arbeit im Kleinen: ich möchte den Akteur:innen vor Ort helfen, sie unterstützen und damit die Stadtteile stärken. Sodass die Leute Bochum toll finden; dass sie hier gerne leben, arbeiten und sich engagieren.

Nina: Wohnst du auch in Bochum?

Charlotte: Ja.

Nina: Das heißt, es ist auch ein bisschen Bochumer Stolz dabei?

Charlotte: Ich komme nicht gebürtig von hier, aber mir gefällt Bochum super und ich fühle mich auch im Ruhrgebiet sehr wohl. Selbstverständlich arbeiten wir an einer positiven Außenwahrnehmung unserer Stadt, aber es ist auch wichtig, dass die Menschen vor Ort sich wohlfühlen und das nach außen tragen. Man hört relativ oft sowas wie: “Du wohnst in Bochum? Oh.” Und dann denkt man sich: Bochum ist schön und hat total viel zu bieten! Aber das ist halt das Image, das noch…

Nina: …aus der Bergbauzeit kommt.

Charlotte: Ja, und das auch noch nachhängt. Und es ist Kleinstarbeit, den Leuten zu zeigen: Das Ruhrgebiet ist toll und hat schöne Seiten. Und ich glaube, dass Bürger:innen die besten Botschafter:innen sind, um das zu vermitteln.

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