Zurück zur Übersicht

Der Bochum-Fonds Teil 2 - So funktioniert’s!

Gesellschaft

Stadt-Gespräche - Folge 40

In den Stadt-Gesprächen reden wir, vom städtischen Start-up ShiftDigital, mit Mitarbeiter:innen aus der Verwaltung über Digitalisierung, E-Government und New Work. In dieser Folge erklärt Charlotte Kreckel von der Bochum Marketing GmbH, wie der Bochum-Fonds Bürger:innen bei der Umsetzung gemeinnütziger Projekte unterstützt.

Nina da Costa: Angenommen, ich habe eine Idee für eine Kunstveranstaltung für Kinder und möchte die mithilfe des Bochum-Fonds umsetzen - wie läuft das ab?

Charlotte Kreckel: Wenn du dich bewerben möchtest, kannst du auf die Webseite www.bochum-fonds.de gehen. Da findest du alle Informationen, zum Beispiel wie ein Antrag aussieht und welche Voraussetzungen man erfüllen muss. Das ist eine oft gestellte Frage, weil viele verwundert sind, dass sie sich auch als Privatperson bewerben können - man muss dazu nicht in einer Gruppe oder einem Verein sein. Du kannst aber auch einfach bei mir anrufen oder deine Idee in einer Mail skizzieren. Es kommt ein bisschen darauf an, wie weit du mit deiner Projektidee schon bist: Wenn du nur eine grobe Vorstellung hast, ergibt es Sinn, dass wir uns erstmal austauschen und darüber sprechen, welche Kosten entstehen, ob das draußen stattfindet, ob wir Genehmigungen brauchen und so weiter. Du kannst auch den Antrag stellen und noch Felder offen lassen; das besprechen wir einfach danach. 

Nina: Das klingt beratungsintensiv!

Charlotte: Sehr. Das ist sogar der Schwerpunkt, denn man hat selten einen Antrag vorliegen, der fertig ist und den man schon genehmigen kann. 

Nina: Man reicht den Antrag also telefonisch, per Mail, persönlich oder online ein, und dann liegt der erstmal bei dir. Was passiert jetzt? 

Charlotte: Dann prüfe ich das Ganze: passt die Idee in unsere Förderrichtlinie, ist sie also überhaupt förderfähig? Was müsstest du anders machen, falls nicht? Dann werden die einzelnen Kostenpositionen geprüft, denn es gibt auch Kosten, die wir nicht fördern, wie zum Beispiel Reisekosten. Anschließend gebe ich eine Rückmeldung, falls wir etwas anpassen müssen, es noch Fehler oder unausgefüllte Felder gibt. Dann wird intern nochmal von unserer Geschäftsführung drübergeschaut. Bei Kleinprojekten bis 7.500 Euro werden die Anträge dann direkt an die Bezirksverwaltungsstellenleiter:innen geleitet. Das heißt, alle Bezirke, die mit dem Projekt zusammenhängen, werden konsultiert. Falls dein Projekt irgendwelcher Genehmigungen bedarf oder rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, wäre das natürlich noch ein nötiger Zwischenschritt, den wir vorher abklären müssten. Wir können ja keinen Vertrag schließen, ohne zu wissen, ob das überhaupt stattfinden darf. Für eine Veranstaltung im öffentlichen Raum müssen wir zum Beispiel eine Sondergenehmigung beantragen. 

Nina: Und wie läuft das bei Großprojekten?

Charlotte: Bei Großprojekten ab einer Fördersumme von 7.501 Euro bis 25.000 Euro entscheiden wir nicht selbst, welche genehmigt werden. Dafür gibt es ein Gremium, das in regelmäßigen Abständen und voraussichtlich dreimal im Jahr tagt. Dieses Entscheidungsgremium setzt sich jeweils aus zwei Vertreter:innen aus den sechs Bezirksvertretungen und drei Vertreter:innen aus dem für die Bochum Strategie zuständigen Ausschuss zusammen. Und da jetzt Neuwahlen waren und sich alles noch neu konstituieren muss, werden wir Anfang März2021 das erste Mal tagen, um über Großprojekte zu entscheiden. Aber bisher wurden sehr viele Kleinprojekte eingereicht, denn natürlich sind bis zu 7.500 Euro auch schon eine Menge Geld. 

Nina: Gerade, wenn man bedenkt, dass ihr vorher 15.000 Euro für etwa zehn Projekte hattet.

Charlotte (lacht): Stimmt!

Nina: Was muss man als Antragsteller:in noch tun? 

Charlotte: Man muss einen Eigenanteil von zwanzig Prozent leisten, der aber nicht in Geldmitteln erbracht werden muss. Es geht uns ja vor allem darum, das bürgerschaftliche Engagement und das Ehrenamt zu stärken. Und die Vernetzung ist ein ganz wichtiger Punkt: Wir wollen möglichst bei jedem Projekt mit weiteren Akteur:innen zusammenarbeiten. Das ist für die Nachhaltigkeit im Stadtteil sehr wichtig. Also: du könntest dich zum Beispiel bewerben und sagen, dein zwanzig-prozentiger Eigenanteil besteht aus den Stunden, die du ehrenamtlich leistest, indem du das Projekt vorbereitest und mit durchführst. Dafür rechnen wir 10 Euro pro Stunde an. Und du könntest sagen: ich miete mir den Raum von Verein XY, der ihn mir für dieses Projekt kostenlos zur Verfügung stellt, für den er aber eigentlich eine Raummiete von 100€ nehmen würde. Die Idee dahinter ist also, dass man sich Sachen von Partner:innen aus dem Stadtteil ausleihen kann, die wir mit einem Geldwert anrechnen. 

Nina: Das heißt, für die Bewerber:innen lohnt es sich, einfach mal auf Vereine und ehrenamtliche Einrichtungen zuzugehen und zu fragen, ob diese ihnen helfen können.

Charlotte: Das ist ein Kerngedanke, den wir auch immer im Auge behalten wollen. Es macht ja keinen Sinn, wenn in einem Quartier fünf Leute eine Musikanlage oder fünf Leute einen Raum haben. Den werden die nicht jeden Tag brauchen, und auch nicht 24 Stunden am Tag. Und diese Akteur:innen wollen wir zusammenbringen, damit sie sich kennenlernen, vielleicht neue Ideen entwickeln und sich die Aufgaben teilen. Vielen Vereinen mangelt es an Manpower, weil es einfach super viel Arbeit gibt. Deshalb wollen wir es schaffen, dass sich mehr Leute zusammentun und gemeinsam etwas machen, sodass vielleicht nicht jeder seinen Tag der offenen Tür und sein Fest macht, sondern man das einfach mal zusammenlegt, um die gemeinsame Manpower zu nutzen. 

Du interessierst dich für die Verwaltung der Zukunft?

Dann abonniere jetzt unseren kostenlosen Newsletter Shift Weekly und erhalte jede Woche spannende Links rund um E-Government, Digitalisierung und New Work!

Du findest alle Artikel auch bei Medium